ÖIAG, die Wirtschaftskenner?
Die Post geht an die Börse.
Die Post bleibt rot-weiß-rot.
Wenn ein Unternehmen in unserem Land an die Börse geht, heißt das: Jede Österreicherin und jeder Österreicher kann Aktien kaufen und Mitbesitzer/in werden, selbst mit kleinen Beträgen. Das bedeutet aber nicht nur, dass jede Österreicherin und jeder Österreicher Geld gut anlegen und am Erfolg mitverdienen kann. Das bedeutet auch: Das Unternehmen gehört weiterhin Österreich. Seine Werte - zum Beispiel seine Standorte, seine Arbeitsplätze, seine Leistungen für die Versorgung - bleiben im Land. Um seine Entscheidungen werden in der Heimat für die Heimat getroffen. Steigt der Wert des Unternehmens, dann sind es wiederum die Österreicherinnen und Österreicher, die davon profitieren. Kurz: Rot-weiß-roter geht's nicht.
ÖIAG Werbeanzeige, Standard vom 16.01.2006
Mit dieser ganzseitigen Zeitungswerbung wirbt die ÖIAG für die Privatisierung der Post. Über die Privatisierung von Grundversorgern, zu denen auch das Briefwesen zählt, gibt es höchst unterschiedliche Meinungen. Das lassen wir jetzt auch mal links liegen.
Mir geht es um den Text der Werbung. Was für eine Wirtschaftsausbildung haben die MitarbeiterInnen der ÖIAG? Ich dachte bisher das Grundwesen einer Börse liegt doch darin, dass jeder, der über die finanziellen Mitteln verfügt, Aktien kaufen kann - solange natürlich welche angeboten werden. Wieso sieht das die ÖIAG anders? Wieso kann die ÖIAG schreiben: "Die Post bleibt rot-weiß-rot"? Fragt die ÖIAG in Zukunft jeden Aktienkäufer, ob er die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt?
Man kann doch nicht ernsthaft behaupten, dass man durch eine Privatisierung über die Börse Eigentümerverhältnisse nach Ländern garantieren kann. Das ist billige Werbung, man könnte sogar von Stimmungsmache oder populistischen Zügen sprechen. Sachlich und korrekt sieht auf jeden Fall anders aus!








