Nachtlesen
Ach wie habe ich diese Nächte vermisst, in denen ich bis 4 oder gar 5 Uhr in der Früh in meinem Bett liege, nicht schlafen kann, da ich ein Buch nach dem anderen lesen "muss". Eigentlich ist diese Zeit traditionell im Januar, doch dieses Jahr dachte ich schon, dass ich von dieser anstrengenden Phase verschont werde – falsch gedacht. Die letzten fünf Tage waren aus diesem Grund ein wenig schlaflos.
Der Vorteil ist aber eindeutig, dass ich dadurch einige wirklich gute Bücher gelesen habe. So zum Beispiel von Helga Schneider "Kein Himmel über Berlin", eine Erzählung über eine Kindheit in den Kriegswirren des 2. Weltkriegs mitten in Berlin: Schlaflose Bombenächte in einem stickigen Keller, Hunger, Durst, Einsamkeit, ein "Urlaub" von zwei Tagen im Führerbunker, tausende Tote, Angst und schlussendlich die Befreiung. Ausdrücklich verzichtet die Autorin auf Geschichtsdaten, sondern konzentriert sich auf die Leiden der Zivilbevölkerung in der zerbombten Stadt, wobei sie nie dieses negative Gefühl aufkommen lässt, das ich sooft bei derartigen Schilderungen bekomme. Sie vergisst nicht, wer den Krieg begonnen hat, wer die Täter und wer die Opfer sind. Vielleicht ist auch genau das der Grund, wieso ich mich so sehr auf ihre Schilderungen einlassen konnte und teilweise das Gefühl hatte im Keller zu sitzen und auf die Befreiung zu warten.
Weiters versuche ich gerade mit Judith Hermann Frieden zu schließen. Ihr erster Erzählband "Sommerhaus, später" hat es mir ja nicht so wirklich angetan gehabt. Ich erinnere mich noch an eine lange Diskussion darüber mit dem Ranger in Berlin. Nun lese ich gerade "Nichts als Gespenster" und ich bin wirklich sehr positiv überrascht. Ja, das sind Erzählungen, wie ich sie mag. Hermann schafft es im Unterschied zum ersten Band diesmal wesentlich besser die Spannung innerhalb der Kurzgeschichten aufrecht zu erhalten, und ich finde auch den Inhalt gelungen.
Links:
Helga Schneider: "Kein Himmel über Berlin"
Judith Hermann: "Nichts als Gespenster"








